Mario Schmid im Gespräch mit den Zuhörern. Ein offenerer Umgang, auch gesellschaftlich, mit der Frage nach Tod und Sterben könne auch Erleichterungen mit sich bringen.
Datum:
Veröffentlicht: 27.6.14
Von:
Thomas Weiß
Mario Schmid referierte über den Umgang mit dem Tod und fordert mehr Offenheit bei einer unbequemen Frage
Während die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstag ihren Sieg feierte, setzte der Vortrag von Mario Schmid in den Räumen des kath. Pfarr- und Jugendzentrums in Wallenfels einen Kontrapunkt mit einem ernsten Thema: den Umgang der Lebenden mit dem Tod.
Schon in der dem Vortrag vorausgehenden Diskussion tauschten die Anwesenden ihre Erfahrungen über den Umgang mit dieser Frage im alltäglichen Leben aus. Tatsächlich wird das Thema gemieden, ein unbefangenes Gespräch zu führen sei schwer möglich. Der Referent führte diese Thematik in zwei eigens verfassten Essays näher aus. In seinem Vortrag konnte Schmid bekannte Philosophen, Dichter und Schriftsteller anführen, die sich im Laufe der Zeit bereits mit dieser Frage beschäftigt haben. Die Sterblichkeit des Menschen sei eine- vielleicht auf den ersten Blick unbequeme- Tatsache. Das Thema sei so alt wie die Menschheit selbst. Zwei Aspekte wurden deutlich. Zum einen sei der Tod immer mit Ungewißheit verbunden. Ungewißheit über den Todeszeitpunkt und was danach komme. Zum anderen ist mit dem Tod auch der Vorgang des Sterbens verbunden. Der Mensch fürchte letzteres mehr als den Tod an sich, der auch das Ende von Schmerz und Leid bedeuten könne. Schmid führte an, dass jeder Mensch letztendlich seinen Weg finden müsse, die Furcht vor dem Tod zu überwinden. Obwohl es vielleicht banal klinge, könne ein zufriedenes Leben eine Möglichkeit sein. Schmid beendete seine Ausführungen mit Gedanken von Walter Gropius, einem Ausblick auf einen „Hauch Unsterblichkeit“, der für jeden möglich sei. In seinem zweiten Essay befasste sich Schmid nochmals näher mit verschiedenen Sichtweisen zum Leben und zum Tod. Jeden Augenblick auskosten und das Leben genießen- diese Sichtweise der „Frevler“ wird bereits im Alten Testament geschildert. Eine Lebenseinstellung, die auch in der heutigen Gesellschaft aktuell ist. Schmid spannte einen Bogen von der Philosophie Epikurs und Platons hin zum Glauben der Pharaonen. In der heutigen Gesellschaft, die mehrheitlich den Kontakt zu Gott verloren habe, werde dennoch nach einer übergeordneten Intelligenz gesucht. Es gelte aber die dahinterstehende Haltung in Frage zu stellen. Welche Begründung für Nächstenliebe und Gerechtigkeit gibt es, wenn wir nach unserer Zeit auf der Erde einfach „wieder verschwinden“? Schmid gab den Zuhörern diese Frage mit auf den Weg. Im anschließenden Gespräch wurden Anekdoten über Sterbende und verschiedene Trauer-Rituale ausgetauscht. Der Vortrag von Mario Schmid wird im Herbst diesen Jahres nochmals angeboten.