An den Stellwänden präsentierten sich die pfarrlichen Vereine und Gruppen.
Datum:
Veröffentlicht: 13.10.14
Von:
Susanne Deuerling
In der Pfarrkirche St. Thomas gibt es am Tag der offenen Kirchentür viel zu entdecken
Am „Tag der offenen Kirchentür“ in Wallenfels stand nicht nur die gemauerte Kirche offen, nein auch die Herzen der Menschen aus dem Seelsorgebereich Oberes Rodachtal. Die pfarrlichen Gruppen stellten sich mit Bildern vor, Ortsheimatpfleger Franz Behrschmidt führte durch die Kirche und Organisten und MiniChor gaben Lieder und Melodien zum Besten. Den Abschluss des Tages bildete ein Gottesdienst mit den drei im Pfarreienverbund tätigen Priestern.
Franz Behrschmidt zeigt das „teuerste Kirchenfenster“. Es zeigt die heilige Familie und wurde von Franz und Margaretha Förner aus Chicago 1923 gestiftet.
51.636.000 Mark sind eine Riesensumme, aber wenn man das Datum der Rechnung anschaut, es ist der 13. August 1923, wundert das nicht mehr so sehr. Es ist die Zeit der Inflation und wenn am 29. März des gleichen Jahres ein Fenster 409.373 Mark gekostet hat und am 14. Dezember des Vorjahres 36.488 Mark, zeigt dies deutlich den Verfall der Währung. Dennoch sind sie sehenswert, die Kirchenfenster in der Pfarrkirche St. Thomas in Wallenfels. Alle wurden gestiftet, das älteste ist datiert auf 1896 und zeigt den Hl. Heinrich und die Hl. Kunigunde. Vor allem die Auswanderer, die sich in Amerika ein neues Leben aufgebaut haben, zeigen mit diesen Stiftungen die Verbundenheit zu ihrer Heimat.
Am „Tag der offenen Kirchentür“ in Wallenfels stand nicht nur die gemauerte Kirche offen, nein auch die Herzen der Menschen, der Pfarreiangehörigen, ja aller aus dem Seelsorgebereich Oberes Rodachtal. Genau wie es Altbundeskanzler Willi Brandt nach der Grenzöffnung vor 25 Jahren deutlich gesagt hat „Es wächst zusammen, was zusammen gehört“, so wächst auch die Pfarreiengemeinschaft „Oberes Rodachtal“ zusammen, 2006 wurde sie gegründet und die neun Pfarreien und Kuratien machen immer mehr gemeinsam. Am Tag der offenen Kirchentür sollen sich deshalb alle noch näher kennenlernen, sich noch besser verstehen und nicht nur die Kirchentür sondern auch die Herzen öffnen.
Einen Beitrag dazu leistete Ortsheimatpfleger Franz Behrschmidt mit seiner Kirchenführung durch St. Thomas. Christianisiert wurde Wallenfels (damals noch Waldenfels) im 12. Jahrhundert. Als im Jahr 1430 die Pfarrei Steinwiesen gegründet wurde, gehörte Wallenfels dazu. Bis zum 16.12.1549 – da wurde Wallenfels als Pfarrei selbstständig. Kirchen wurden gebaut und zerstört, bis am 28. Mai 1861 durch das Vermächtnis des Junggesellen Bartholomäus Behrschmidt von 15.000 Gulden (heute ca. 600.000 €) die Grundsteinlegung für die heutige neugotische Kirche stattfinden konnte. Die Pfarrkirche St. Thomas weißt einige Besonderheiten auf. Neben den prächtigen Kirchenfenstern sind die beiden gotischen Seitenaltäre, eine Stiftung der Witwe Gareis von 1897, sehenswert. Rechts vom Eingang aus gesehen, befindet sich der Auferstehungsaltar mit den Geheimnissen des schmerzreichen Rosenkranzes und links der Muttergottesaltar mit den Geheimnissen des freudenreichen Rosenkranzes. Deshalb beginnt in der Wallenfelsener Kirche auch der Kreuzweg, der mit den 14 Bildern rund um an den Wänden des Gotteshauses angebracht ist, auch „verkehrt“ herum, also links und nicht wie üblich rechts. Sehr dominant sind auch die vier Glocken, die am 20. Juli 1949 geweiht wurden. Die größte mit einem Durchmessern von 1,24 m und einem Gewicht von 1180 kg ist dem Hl. Herzen Jesu geweiht, die kleineren dem Hl. Herzen Mariens, dem Hl. Josef und dem Hl. Thomas. Letztere ist die kleinste und sie hört man in Wallenfels nicht gerne, denn bei ihrem Klang ist meistens jemand verstorben. Neue Glocken waren notwendig, da die vorhandenen im Krieg eingeschmolzen werden mussten. Doch auch bei anderen kirchlichen Ereignissen war St. Thomas Vorreiter für andere Pfarreien. Am 3. März 1985 fand hier der erste priesterlose Wortgottesdienst statt, am 14. April 1985 traten die Erstkommunionkinder erstmals in einheitlichen Gewändern vor den Altar, um den Leib Christi zu empfangen und am 1. April 1989 fand die erste Beerdigung ohne Priester sondern durch Pastoralassistentin Sabine Vetter statt. Fortschritt und Tradition – das zeichnet die Pfarrei St. Thomas aus. Traditionen wie Sebastianfeier, Fronleichnam, Kirchweih und Wallfahrten, sie sind der Rückhalt einer funktionierenden Pfarrgemeinde.
Am Tag der offenen Kirchentür gab es noch viel mehr zu hören und zu entdecken. Alle pfarrlichen Vereine und Gruppierungen (KAB, Frauenbund, Kath. Jugend, Seniorenclub, Besuchsdienst Altenheim, Angels, Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung, Kindergottesdienst-Team, Ministranten, Kindergarten und dem Caritas-Seniorenheim) stellen sich durch Bilder und Texte auf Stelltafeln vor. Da findet man lustige, traurige und rührende Bilder, Bilder von Hilfsaktionen und Veranstaltungen und immer Menschen, die sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, die Welt ein kleines Bisschen lebenswerter und fröhlicher zu machen. An der Orgel, die am 27. Oktober 1968 eingeweiht wurde und 1260 Pfeifen besitzt, zeigten die Organisten Christian Weiß, Marcel Müller und Udo Müller ihr Können. Der Ministrantenchor brachte 11 seiner schönsten Lieder zu Gehör und dabei kam so mancher zur Ruhe, ja zu einer Ruhe, die tief drin beginnt und einfach froh und glücklich macht. Mit Liedern wie „Jedes Kind braucht einen Engel“ und „Die Mauern meiner Zeit“ sowie dem „Halleluja“ von Leonhard Cohen und natürlich „die Rose“ brauchte man sich auch einer kleinen Träne nicht zu schämen. Den Abschluss bildete der Festgottesdienst, den alle Geistlichen des Seelsorgebereichs, Pfarrer Richard Reis, Pater Jan Poja und Pater Wladislaw Poddebniak gemeinsam zelebrierten. Für das leibliche Wohl war mit Kaffee und Kuchen im Pfarrsaal bestens gesorgt, wo auch die Kinderbetreuung lebhaften Zuspruch erfuhr.