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400 Jahre Sebastiansprozession

Sebastiansprozession 20.01.2026
Datum:
Veröffentlicht: 21.1.26
Von:
Susanne Deuerling

Das Gelübde aus Pestzeiten wurde vor 400 Jahren abgelegt – seitdem findet jährlich die Prozession zu Ehren des Hlg. Sebastian statt

Zu allen Zeiten hatten die Menschen Angst und Respekt vor den großen Epidemien und Pandemien, die immer wieder Länder, ja ganze Kontinente heimsuchten. Am schlimmsten wütete die Pest und das gleich in mehreren Jahrhunderten. Hilfesuchend wandten sich die Wallenfelser in jener Zeit an Gott und leisteten im Jahr 1626 das Gelübde: am Gedenktag des Heiligen Sebastian eine Prozession durchzuführen, wenn er die Gegend von der Pest, „dem Schwarzen Tod“, befreien würde. Und die Einwohner von Wallenfels hielten ihr Versprechen. Seit 400 Jahren zieht alljährlich am Gedenktag des Heiligen Sebastian, dem 20. Januar, ein großer Zug an Gläubigen durch die Straßen.

Zu allen Zeiten hatten die Menschen Angst und Respekt vor den großen Epidemien und Pandemien, die immer wieder Länder, ja ganze Kontinente heimsuchten. In all den vergangenen Jahrhunderten rafften Seuchen wie Cholera, Pocken und Typhus ganze Generationen dahin. Am schlimmsten wütete die Pest und das gleich in mehreren Jahrhunderten. In jüngster Zeit machte die Corona-Pandemie von sich reden, da kann man sehen, dass auch in der heutigen modernen Zeit unvorhergesehene Krankheiten ausbrechen können. Doch zurück zur Pest. Sie tilgte Dörfer, ja ganze Städte von der Landkarte. Die Einwohner starben wie die Fliegen und es dauerte lange, bis man die Ursache finden und dagegen vorgehen konnte. In Europa ist man eigentlich erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts frei von der Seuche.

Wallenfels und die Pest

Während des 30jährigen Krieges, der von 1618 bis 1648 weite Teile Europas heimsuchte, wütete in Deutschland die Pest. Die Menschen waren schon durch den Krieg gebeutelt und Kriegshandlungen begünstigten Hungersnöte und Seuchen. In einer Chronik ist zu lesen: „Eine sonderbare Stille lastete auf Gärten und Fluren. Alle Tore waren verschlossen, aus keinem Schlot stieg Rauch, überall Ruhe und Stille. Kühe und Ochsen hungerten im Stall, ihr Brüllen war der einzige Laut des Lebens. Der Sonnenschein war gefürchtet, die Felder verwildert und unfruchtbar, Wasser und Wind waren todbringend. Man verhängte die Fenster und Türen. In den ungelüfteten Stuben hatte die Seuche doppelt leichtes Spiel. Die Menschen siechten dahin, bleiern war ihr Antlitz. Am Morgen hatten sie Beulen unter den Armen, ihr Körper verformte sich, das Fleisch zerging unter der Haut, und wer starb hatte ein böses, verzerrtes Gesicht. Manche starben schon vom bloßen Ansehen der grässlich zugerichteten Leichname“. Von diesen Beschreibungen werden auch die Einwohner der Flößerstadt erfahren haben. Hilfesuchend wandten sie sich an Gott und leisteten im Jahr 1626 das Gelübde: am Gedenktag des Heiligen Sebastian eine Prozession durchzuführen, wenn er die Gegend von der Pest, „dem Schwarzen Tod“, befreien würde.

Und die Einwohner von Wallenfels hielten ihr Versprechen. Seit 400 Jahren zieht alljährlich am Gedenktag des Heiligen Sebastian, dem 20. Januar, ein großer Zug an Gläubigen durch die Straßen. Innbrünstig erklingt das alte Lied „Heiliger vor Gottes Throne, oh Patron in aller Not. Bitte, dass uns Gott verschone, vor der Pest und gähem Tod“. Der Priester trägt unter dem Baldachin die Monstranz mit dem Allerheiligsten in Begleitung einer Abordnung der Ehrenkompanie der Soldatenkameradschaft Wallenfels. Auch die geschmückte Statue des Hl. Sebastian wird bei der Prozession mitgetragen, seit 1982 übernehmen dies die Mitglieder des Tambourzuges. So wird auch heute das Gelübde aus dem 17. Jahrhundert erfüllt. Die zum 125jährigen Kirchweihjubiläum im Jahr 1994 wieder entdeckte Monstranz mit einer Reliquie des Hl. Sebastian wurde 1999 restauriert und seit dieser Zeit wird mit der Reliquienmonstranz der Segen an die Gläubigen in der Pfarrkirche erteilt.

In früheren Jahren war der Sebastianstag in Wallenfels noch ein Feiertag, mit Kirchenparade und Festgottesdienst am Vormittag und am Nachmittag mit einer Andacht und anschließender feierlicher Prozession. Auch wenn inzwischen dieser Tag von der örtlichen Industrie nicht mehr arbeitsfrei gehalten wird, so erfolgt doch heute noch nach der Kirchenparade und dem Festgottesdienst am Nachmittag die Sebastiansprozession, um das Vermächtnis der Vorfahren weiterhin zu erfüllen.

Wer war der Heilige Sebastian?

Sebastian (griechisch = der Verehrungswürdige) starb als Märtyrer für seinen christlichen Glauben und ist einer der meistverehrten Heiligen. Der Legende nach soll er Soldat im Heer des Kaisers Carinus gewesen sein. Der junge Christ habe in dieser Zeit andere Christen, die inmitten von Heiden und Christenverfolgungen litten, geholfen. Als Kaiser Carinus stirbt und der brutale Christenverfolger Diokletian sein Nachfolger wird, gerät auch Sebastian in Bedrängnis. Der Kaiser lässt den gläubigen Christen Sebastian an einen Pfahl binden und mit Pfeilen durchbohren. Auf wundersame Weise überlebt Sebastian und von der Witwe Irene gesund gepflegt, tritt er wieder voller Mut vor den Kaiser und beschuldigt ihn mit lauter Stimme des Verbrechens der Christenverfolgung. Voller Wut darüber, dass der tot geglaubte Sebastian sich ihm widersetzt, lässt Diokletian ihn mit Keulen zu Tode prügeln und Sebastian stirbt am 20. Januar des Jahres 288. Seinen Leichnam soll die junge Christin Lucina geborgen und ihn an der Via Appia in der Nähe der Apostelkirche bestattet haben. Heute steht über dem Grab Sankt Sebastian, eine der sieben frühchristlichen Pilgerkirchen Roms.